„Unterwegs im Kremstal“ begeistert das Publikum in Kottes
Ein Film über eine Region, ihre Landschaft und vor allem über die Menschen, die hier leben: Die Vorführung der Dokumentation „Unterwegs im Kremstal“ am Freitagabend im Gasthof zur Kirche in Kottes stieß auf großes Interesse. Das Publikum verfolgte die rund 90-minütige filmische Reise. Am Ende wurde aus dem Kinoabend eine persönliche Begegnung mit einigen jener Menschen, deren Geschichten zuvor auf der Leinwand zu sehen waren.
Vizebürgermeister Franz Schrammel, auf dessen Initiative die Vorführung in Kottes zustande kam, begrüßte das Publikum. Anschließend erzählte Sonja Molnár über den Film und die Idee, die dahintersteht.
„Unterwegs im Kremstal“ von Attila und Sonja Molnár führt von der Quelle der Großen Krems bis zur Mündung bei Altenwörth. Nach ihrer Dokumentation „Kleinod Kamptal“ widmet sich das Filmemacherpaar diesmal dem Kremstal und dem südlichen Waldviertel. Im Mittelpunkt stehen Landschaft und Natur, historische Orte, Weinbau und traditionelles Handwerk – vor allem aber die Menschen und ihre Geschichten. Das Drehbuch stammt von Sonja Molnár.
Bewusst dorthin, wo die Menschen sind
Sonja Molnár machte an diesem Abend auch deutlich, dass die beiden mit ihrem Film ganz bewusst in die Orte der Region gehen. „Unterwegs im Kremstal“ soll nicht nur irgendwo auf einer Leinwand gezeigt werden. Die Vorführungen sollen Gelegenheiten schaffen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Menschen aus dem Film wiederzutreffen und einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Damit setzt sich im Grunde das fort, was bereits während der Dreharbeiten im Mittelpunkt stand: die Begegnung mit den Menschen der Region. Dass dieses Konzept funktioniert, war auch in Kottes zu spüren. Nach dem Film blieben viele Besucher noch zusammen, es wurde gesprochen, erzählt und diskutiert.
Kottes und seine Geschichten
Für das Kotteser Publikum gab es auf der Leinwand einiges Bekanntes zu entdecken. Franz Schrammel präsentiert im Film zwei besondere Sehenswürdigkeiten von Kottes: den historischen Metzen und den Brunnen. Nicht sein eigenes Gasthaus steht dabei im Mittelpunkt, sondern ein Stück Geschichte und Identität des Ortes.
Eine ganz andere Geschichte erzählt Manfred Bernleitner, der vielen in der Region als „Entenpapa“ bekannt ist. Aus einer ungewöhnlichen Idee entwickelte sich über die Jahre eine Veranstaltung, die weit über Kottes hinaus bekannt wurde: Beim traditionellen Entenrennen werden mittlerweile rund 7.000 gelbe Gummienten in die Kleine Krems gesetzt und auf die Reise Richtung Ziel geschickt. Das Spektakel lockt zahlreiche Besucher nach Kottes und ist längst zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders geworden.
Oswald Weidenauer wiederum nimmt die Zuschauer mit in die Welt des Brennens. In seiner Frucht- und Getreidewerkstatt in Leopolds bei Kottes entstehen Edelbrände und Whiskys. Die Brenntradition reicht in seiner Familie über mehrere Generationen zurück, seit 1997 beschäftigt sich Weidenauer auch mit der Herstellung von Grain- und Malt-Whisky.
Nach dem Abspann bat Attila Molnár jene Mitwirkenden nach vorne, die an diesem Abend anwesend waren. So standen plötzlich einige der Menschen, die das Publikum gerade noch auf der Leinwand erlebt hatte, persönlich vor den Gästen. Genau diese Nähe zwischen Film und Wirklichkeit machte einen besonderen Reiz des Abends aus.
Hinter dem Film steht auch eine persönliche Geschichte
Gegen Ende des Abends erzählte Sonja Molnár noch von einer Geschichte, die eng mit der Entstehung des Films verbunden ist.
Attila Molnár erkrankte am Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Seine Erfahrungen mit der schweren Erkrankung und den Weg zurück ins Leben verarbeitete er später in seinem Buch „GBS – Der Weg der Möglichkeiten“, das 2025 erschien.
Sonja erzählte dem Publikum, dass diese Erfahrung auch Attilas Einstellung zum Leben verändert habe. Ideen, Wünsche und Vorhaben, die zuvor immer wieder auf morgen verschoben worden waren, wollte er nach der Erkrankung nicht mehr einfach vertagen.
Was wichtig ist, sollte nicht irgendwann geschehen.
Aus dieser Haltung heraus entstand schließlich auch „Unterwegs im Kremstal“. Eine Idee wurde nicht länger auf später verschoben, sondern umgesetzt.
Eine Begegnung mit besonderer Bedeutung
Wie sehr Attila Molnárs persönliche Geschichte auch andere Menschen berührt, zeigte sich an diesem Abend auf besonders eindrucksvolle Weise.
Unter den Gästen befand sich eine Frau, die selbst an GBS erkrankt war und sich erst vor rund zwei Monaten davon erholt hatte. Jemand hatte ihr Attila Molnárs Buch geschenkt. Nachdem sie „GBS – Der Weg der Möglichkeiten“ gelesen hatte, war für sie klar: Sie wollte den Autor unbedingt persönlich kennenlernen.
In Kottes bekam sie nun diese Gelegenheit.
Damit endete der Abend nicht einfach mit dem Abspann. Film, persönliche Geschichten und Begegnungen gingen ineinander über. Und vielleicht zeigte gerade dieser Moment besonders gut, was Sonja und Attila Molnár mit ihren Vorführungen erreichen möchten: Menschen nicht nur vor einer Leinwand zu versammeln, sondern sie miteinander ins Gespräch zu bringen.
Die nächsten Vorführungen
Die Reise von „Unterwegs im Kremstal“ geht weiter. Die nächsten Möglichkeiten, den Film zu sehen und den Filmemachern zu begegnen, gibt es am Freitag, 16. Oktober 2026, um 18 Uhr im VAZ Idolsberg sowie am Samstag, 24. Oktober 2026, um 19 Uhr im Ferdinand-Dinstl-Saal in Krems an der Donau.
Personen am Bild v.l.n.r.: Oswald Weidenauer, Manfred Bernleitner, Sonja und Attila Molnár, Franz Schrammel
